Amazons neue Titelregeln: 75 Zeichen ab Juli 2026
Amazon stellt die Produkttitel um. Ab dem 27. Juli 2026 gilt in fast allen Kategorien ein einheitliches Limit von 75 Zeichen, und es kommt ein neues Feld für Produkt-Highlights mit bis zu 125 Zeichen dazu. Hier steht, was sich konkret ändert und wie du dich vorbereitest, ohne in Aktionismus zu verfallen.
Wie es aktuell ist
Seit dem 21. Januar 2025 gelten verschärfte Titel-Richtlinien. In den meisten Kategorien sind bis zu 200 Zeichen erlaubt, Wortwiederholungen sind stark begrenzt und bestimmte Sonderzeichen sind verboten, sofern sie nicht Teil des Markennamens sind. Amazon empfiehlt schon heute, unter 80 Zeichen zu bleiben, weil im Mobilgerät nur die ersten rund 80 Zeichen sauber angezeigt werden. Und mobil kaufen in Deutschland etwa 70 Prozent der Kundschaft.
In der Praxis ist der Titel damit bis heute ein doppelter Hebel. Er entscheidet über Sichtbarkeit in der Suche und über die Conversion auf der Detailseite. Genau deshalb haben viele Listings über Jahre Keywords in den Titel gepackt, bis er kaum noch lesbar war.
Wie es in Zukunft ist
Ab dem 27. Juli 2026 zieht Amazon das Limit auf 75 Zeichen inklusive Leerzeichen zusammen, einheitlich über alle Kategorien außer Medien. Titel, die länger sind, werden ab diesem Datum schrittweise auf einen KI-generierten Vorschlag umgestellt. Wer in der Brand Registry registriert ist, bekommt eine Frist von 14 Tagen, um diese Vorschläge zu prüfen, anzupassen oder abzulehnen, bevor sie live gehen.
Neu dazu kommt ein zweites Feld, die Item Highlights, mit bis zu 125 Zeichen. Dort lassen sich Produktdetails wie Material, empfohlene Anwendung oder Vergleichsangaben unterbringen. Diese Highlights sind sichtbar und suchbar, sie fangen also einen Teil dessen auf, was bisher in den überladenen Titel wanderte.
Der eigentliche Punkt liegt unter der Oberfläche. Mit 75 Zeichen ist der Titel keine Keyword-Deponie mehr. Er wird zu einer kurzen, klaren Antwort auf die Frage, was das Produkt ist. Amazon stützt sich für die Interpretation immer stärker auf eigene Daten und auf strukturierte Attribute, also auf alle Datenfelder im Katalog. Wer ein Produkt seit Jahren verkauft, dessen konvertierende Suchbegriffe kennt Amazon längst aus der eigenen Historie. Auch der Markenname verliert im Titel an Gewicht, weil die Marke über die Brand Registry ohnehin als Attribut hinterlegt ist. In einigen Kategorien zieht Amazon die Marke schon heute aus dem Titel heraus.
Meine Empfehlung an Händlerinnen und Händler
Zuerst die wichtigste Sache: Lösch jetzt nicht in Panik alle deine Titel auf 75 Zeichen herunter. Wir wissen noch nicht im Detail, wie Amazon das in Deutschland mobil und auf dem Desktop ausspielt, und wie hart die Regel am Ende durchgesetzt wird. Aktionismus kostet dich nur Ranking-Historie. Vorbereiten ist sinnvoll, hektisch umbauen ist es nicht.
Konkret würde ich so vorgehen:
- Portfolio sichten. Zieh dir dein Sortiment in eine einfache Tabelle und markier, welche Titel über 75 Zeichen liegen. So siehst du sofort, wo Amazon eingreifen würde.
- Titel auf das Wesentliche. Marke, Produktbezeichnung und ein bis zwei Kernattribute, zum Beispiel Farbe oder Größe. Das Wichtigste gehört in die ersten Zeichen, weil mobil zuerst gelesen wird.
- Item Highlights bewusst befüllen. Dort gehören echte Eigenschaften hin, nicht Synonyme. Synonyme steuerst du weiter über die Backend-Keywords.
- Strukturierte Daten pflegen. Alle Attributfelder ausfüllen und die richtige Produktkategorie wählen. Das ist heute wichtiger als der Titel, weil die KI darüber versteht, was dein Produkt ist und wo es in den Suchbaum gehört. Gerade große Sortimente mit tausenden ASINs haben hier den größten Nachholbedarf.
- Etablierte und neue Listings trennen. Bei einem neuen Listing zählt das Keyword im Titel noch für die Indexierung. Bei einem Produkt mit Verkaufshistorie weiß Amazon längst, welche Begriffe zum Kauf führen.
- Brand Registry nutzen. Wenn du registriert bist, prüf die KI-Vorschläge innerhalb der 14 Tage aktiv. Lass sie nicht einfach automatisch übernehmen, sonst steht im Zweifel ein Titel da, den du so nicht wolltest.
Unter dem Strich ist die Änderung weniger dramatisch, als sie zunächst klingt. Kürzere Titel sind oft die besseren Titel, weil sie die Entscheidung erleichtern. Der Aufwand steckt nicht im Titel selbst, sondern in den Daten dahinter. Wer seinen Katalog sauber pflegt, geht entspannt in den 27. Juli. Wer das jahrelang liegen gelassen hat, sollte die Wochen bis dahin nutzen.